Checkliste Stellenanzeigen richtig lesen

Wie lese ich Stellenanzeigen „richtig“?

Viele Bewerber schreiben z.T. hunderte von Bewerbungen, mit häufig ernüchternden Ergebnissen. Die Erfahrung die dann gemacht wird ist, dass es fast immer jemanden zu geben scheint, der oder die noch ein bisschen besser geeignet ist als man selbst. Das ist insofern nicht verwunderlich, wenn man einen Blick auf die Statistik wirft. Nach einer Untersuchung des IAB (Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung) wird nur etwa 1/3 aller Stellen offen ausgeschrieben. 2/3 werden über den „verdeckten Stellenmarkt“ (also „unter der Hand“) besetzt. Tatsächlich suchen geschätzte 95% der Arbeitsuchenden in den offenen Ausschreibungen. Das Verhältnis von Bewerbern pro Stelle ist im offenen Stellenmarkt auf jeden Fall tendenziell bewerberunfreundlich. Daher ist es für Arbeitsuchende wichtig, sich gezielt auf wirklich passende Stellen zu bewerben. Die Karriereprofis empfehlen daher folgendes Vorgehen:

1. Die Standortbestimmung:

Die Suche nach dem perfekten Job beginnt beim Suchenden selbst. Wenn jemand weiß wo er aktuell steht, fällt es leichter zu sagen wohin jemand gehen möchte. Wer Ausgangspunkt und Zielpunkt der beruflichen Reise kennt, ist dazu in der Lage, den Weg dazwischen zu beschreiben und erfolgreich zurück zu legen. Die berufliche Standortbestimmung kann z.B. im Rahmen eines Karriere-Coachings erfolgen. Aus unserer Erfahrung ist die genaue Beschreibung von Stärken, Interessen, Sichten des persönlichen Umfelds, eigenen Ansprüchen und (beruflichen wie privaten) Zielen der richtige erste Schritt. Erfahren Sie dazu auch mehr in unserem Handout zum Beratungsansatz „5-Faktoren-Modell“.

2. Den Traumjob beschreiben:

Im zweiten Schritt kann dann der persönliche Traumjob konkret beschrieben werden. Es gilt dabei zahlreiche Faktoren zu definieren, wie z.B.: Welche Branche interessiert mich? Welche Produkte / Dienstleistungen finde ich spannend? Welches Gehalt erwarte ich? Welche Arbeitsbedingungen möchte ich vorfinden? Welche räumliche Einordnung ist mir wichtig? Nutzen Sie dazu gern unser Handout „Traumjob beschreiben“. Diese Faktoren sind anschließend individuell zu gewichten. Daraus entsteht schließlich die Skizze eines Traumarbeitsplatzes. Anhand dieser Skizze können die Suchenden, gezielt und mit den richtigen Suchparametern, in den einschlägigen Kanälen recherchieren. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich auf eine Stelle bewerben, die formal gut zu ihnen passt und die sie auch wirklich emotional gern bekommen wollen. Dies sind zwei wichtige Erfolgsfaktoren im Vergleich zu Mitbewerbern. Denn Personalverantwortliche achten bei der Auswahl der Kandidaten sowohl auf Passung zum Jobprofil, als auch auf die Motivlage der Bewerber.

3. Das eigentliche Lesen der Anzeige:

Eine so recherchierte Stellenanzeige kann dann im Detail geprüft werden:

  • Das Unternehmen: Häufig wird in den Anzeigen zunächst etwas über das jeweilige Unternehmen gesagt. Hier finden sich neben Branche, Größe, etc. auch erste Indikatoren zu Unternehmenskultur und Philosophie. Anhand dessen kann geprüft werden, ob das dort geschriebene zu den selbst beschriebenen und gewichteten Faktoren des Traumjobs passt.
  • Aufgaben und Verantwortungen: Die beschriebenen Aufgaben und Verantwortungen gilt es wiederum mit der Skizze des Traumjobs abzugleichen. Sind diese gänzlich oder zu einem guten Teil deckungsgleich, sind die Aussichten im Interview zu überzeugen und einen passenden Job gefunden zu haben groß. Diese Punkte sollten sich im Lebenslauf wiederfinden, was für Quereinsteiger naturgemäß schwieriger ist. Sind die geforderten Aufgaben und Verantwortungen nicht oder nur zu einem kleinen Teil deckungsgleich mit den eigenen Erwartungen, ist es ratsam Abstand von einer Bewerbung zu nehmen – die Aussichten hier nachhaltig glücklich und erfolgreich zu sein sind gering.
  • Fachliche bzw. Qualifikations-Anforderungen: Diese lassen sich gemäß einer Checkliste abprüfen und müssen von den Suchenden meist schriftlich belegt werden können. Diese Punkte sollten ebenfalls aus dem Lebenslauf hervorgehen. Kommt es auch hier zu einem positiven Ergebnis, geht es weiter zum nächsten Schritt.
  • Persönliche Anforderungen: Hiermit sind z.B. gemeint: Teamfähigkeit, Aufgeschlossenheit, Flexibilität etc. (Tipp: Die in der Stellenanzeige verwendeten Begriffe in das Anschreiben einbauen.) Persönliche Anforderungen an Bewerber lassen sich, anders als die fachlichen Themen, nicht konkret schriftlich belegen. Bewerber sollten aber dazu in der Lage sein, diese anhand schlüssiger Beispiele begründen bzw. erläutern zu können. Kann dies nicht geleistet werden, fällt dies zum Einen im Rahmen von Interviews schnell auf und ist zum Anderen ein Zeichen, dass der Job nicht wirklich gut zum Suchenden passt. Desweiteren lassen die verwendeten Begriffe weitere Rückschlüsse auf Unternehmenskultur und Philosophie zu.
  • Sonstige Rahmenbedingungen: Oftmals finden sich in Stellenausschreibungen auch Punkte wie „wir bieten“. Hier finden Sie wieder Indikatoren zu Kultur und Philosophie etc. Auch diese Punkte können wiederum mit der Skizze des Traumjobs angeglichen werden. Z.T wird auch das Gehaltsniveau genannt – ein Zeichen von Transparenz. Ein zu viel an Bezahlung gibt es eigentlich nicht. Ein zu wenig dagegen schon. Wenn keine Summe explizit genannt ist, gilt es etwas herauszufinden über das zu erwartende Lohnniveau. Gute Quellen sind hier das Internet (Tarifverträge etc.), ggf. Bekannte in ähnlichen Branchen bzw. Jobs oder erfahrene Personalberater mit entsprechender Branchenkenntnis. Zu den sonstigen Rahmenbedingungen gehören aber auch Arbeitszeiten, Reiseaufwände, Entfernungen zwischen Arbeit und Wohnort etc.

4. Tipps:

  • In jedem Fall empfehlen wir, vor der schriftlichen bzw. elektronischen Bewerbung den Versuch der persönlichen Kontaktaufnahme (es sei denn dies ist ausdrücklich nicht erwünscht). Im persönlichen Gespräch können Punkte die noch unklar sind hinterfragt werden. Hierfür sollten möglichst konkrete Fragen vorbereitet werden. Desweiteren signalisiert dies, dass Bewerber echtes Interesse und Engagement haben. Ein dritter entscheidender Punkt ist, dass der Name der Suchenden dann schon einmal gefallen ist und im Zweifel erinnert wird. Nicht zuletzt ist das persönliche Gespräch auch eine Möglichkeit auszutesten, wie im jeweiligen Unternehmen mit Bewerbern umgegangen wird. Dies ermöglicht Rückschlüsse auf die Unternehmenskultur und gibt dadurch weiteren Aufschluss.
  • Achten Sie bei der Formulierung des Anschreibens auf den Sprachgebrauch der Stellenausschreibung. Versuchen Sie sich diesem anzunähern und nehmen Sie Begriffe, die Ihnen wichtig erscheinen auf. So signalisieren Sie, dass Sie die Anzeige genau gelesen und verstanden haben. Unterbewusst wird beim Empfänger so außerdem das Gefühl angesprochen, auf einer ähnlichen „Wellenlänge“ zu sein.
  • Ist ein persönlicher Ansprechpartner genannt können Sie auch in sozialen Netzwerken nach der Person suchen und Kontakt aufnehmen. Dies ist eine weitere Möglichkeit vorab auf sich aufmerksam zu machen und sich ins Gedächtnis der Entscheider zu bringen. Außerdem finden Sie hier vielleicht Hinweise auf persönliche Anknüpfungspunkte. So lässt sich im Gespräch schnellerer eine persönliche Beziehung aufbauen und „das Eis brechen“.
  • Schauen Sie sich auf der Homepage des ausschreibenden Unternehmens auch das Impressum an. Ist der Ansprechpartner Teil der Geschäftsführung deutet das z. B. auf ein kleines Unternehmen hin.